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Spinnfischen Ultraleicht

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Fein zum Kapitalen – Spinnfischen mit der Barsch und Ultraleichtrute vom Ufer

Von Stefan Bartels

Sie stehen an den Ufern und peitschen Ihre Wobbler und Shads in den Himmel, der von dicken Nebelwolken verhangen ist. Ein um das andere Mal fliegen die Köder und schlagen auf der Oberfläche auf. Die Jagd nach den Kapitalen.

Ich war einer von Ihnen. Jetzt nicht mehr. Ich habe in der breit gefächerten Welt des Spinnfischens etwas für mich entdeckt das mein Herz höher schlagen lässt. Die Feinheiten der Raubfischjagd.

Möglich machen dies zwei Rutenkategorien, die mir in den letzten Monaten ans Herz gewachsen sind. Die Barsch und die Ultraleichtrute. Gerade mal 7-13 oder sogar 1-4 Gramm Wurfgewicht kommen zum Einsatz.

Mein Weg führt mich nicht mehr an die großen Ströme sondern an die verwunschenen kleinen Kanäle und Poldergräben meiner Ostfriesischen Heimat. Dort stelle ich mit meinem Team den Barschen und dem Friesenkrokodil, dem Hecht nach. Eine wunderbare Angelei in Zeiten von Kapitalwahn und dem traurigen Ende der Motivationsangelei. Jeder kleine Stachelritter wird mit einem Strahlen gelandet, macht es doch so viel mehr Spaß an der feinen Rute!

Allerdings wird diese Methode sträflich unterschätzt.

Was diese neuen Verbundstoffe zu leisten vermögen erschloss sich mir und meinen Freunden von „Team 53° Nord“ an einem recht ungemütlichen Herbstnachmittag. Wir waren ausgezogen um den Räubern nachzustellen wie wir es immer tun um diese Zeit. Unsere Köderwahl jedoch gestaltete sich ganz neu. Waren in unseren Sortimentboxen doch vormals alle Sorten von Kopytos, Sandras, Twistern und Shads vorhanden, kamen wir nun mit ein oder zwei Kästen aus, die Hauptsächlich Spinner und seit neuestem auch Streamer enthielten, die Teamkollege Ingo Hoffmeier selbst kreiert hatte. Neuland für uns alle Drei.

Streamer in Ostfriesland? Sicherlich so ungewöhnlich wie Wattwürmer in München.

Wir nutzten die Nische. Wir wollten einen Neuen Weg beschreiben, abseits vom alltäglichen und dem Einerlei der Tackleshops die für uns kaum etwas Neues zu bieten hatten. Recherchen in meinem Umfeld ergaben, dass sich die meisten Angler darüber Gedanken machten, dass einfach die Innovationen fehlten. Angeln wie immer. Dem Raubfischjäger fehlt der Kick des Neuen.

Ingo Hoffmeier jedoch nicht. Einer der wenigen Angler die immer wieder nach neuen Wegen suchen. Ihm steckt das Wort „Innovation“ wortwörtlich im Rückenmark. Er war es auch, der uns das fischen mit dem Streamern die er selbst in seiner kleinen Bastelstube gefertigt hatte, schmackhaft machen wollte.

Jeder von uns hatte seine neuen Kreationen im Gepäck, eine Barsch oder Ultraleichtrute in den Händen und den Kopf voller Gedanken an den ersten Fisch. Nils Extra, unser Fotograf und Rookie in Sachen Raubfischangeln sowie mir selbst schwebte der Einsatz von Spinnern vor. 1-4 Gramm reichten da vollkommen aus. Favorit dabei natürlich der von uns so heißgeliebte Ondex aus dem Hause Rublex.

Der Weg führte uns direkt in die Ostfriesische Metropole Emden, in dessen Städtischen Gewässern wir unser Glück zuerst versuchen wollten. Landläufig hieß es nämlich:

Wer dort nichts fängt ist zu doof zum angeln“

Und tatsächlich erwiesen sich unsere Spinner als sehr erfolgreich. Barsch um Barsch konnten wir landen, einige wunderschön gezeichnete kleine Esoxe stürzten sich auf unsere Spinner.

Zunächst schien es aber so, als würden sie den Streamer verschmähen. Ein kleiner Stichkanal, mitten in einer Wohnsiedlung brachte die Wende. Dort stieg auf den weißen, wundervoll im trüben Wasser pulsierenden Streamer der erste Esox ein. Im Grunde genommen war das Werk vollbracht! Ingo Hoffmeier war glücklich wie ein Kind und schwelgte schon in Träumen die seine Kreationen an den Kunden bringen sollten. Des Anglers Träume sind Legion pflege ich immer zu sagen.

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Der Drill ein Erlebnis, das jeden passionierten Raubfischangler an seine Grenzen stoßen lässt. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer jetzt nicht seine Bremse gut eingestellt hat, verliert den Fisch und/oder erleidet schmerzhaften Rutenbruch. Wer sein Gerät liebt sollte sich also seiner Fähigkeiten bewusst sein.

Unser weiterer Weg, abseits von den frequentierten Spots führte uns nun an einen kleinen Kanal, der durch die Ostfriesische Landschaft mäanderte. Naturbelassen wie es im Buche steht. Dort rechneten wir mit einem schönen Barsch oder mit der gleichen Frequenz von Friesenkrokodilen wie in Emden. Das Südbrookmerland war für eine Hohe Stückzahl von kleineren Exemplaren bekannt. Die Gummifraktion meidet diesen Bereich eher. Zu Unrecht!

Denn bereits nach Eintreffen und den ersten drei bis vier Würfen bekam ich einen brutalen Biss auf den 3er Ondex. Hier erlebte ich zum ersten Mal wie viel Potenzial in meiner Shimano Rute steckte. Der Ursprung einer Leidenschaft könnte man so sagen. Der gewaltige Esox riß in unglaublichen sechs harten Fluchten die geflochtene Schnur nur so von der Rolle herunter. Brachiale Kraft entgegen technischer Feinheit in Vollendung. Als ich dank Kollege Extra den 82 cm langen Esox in den Kescher dirigieren konnte schlug mein Anglerherz bis zum Hals. Pures Adrenalin. Die Ungläubigkeit über soviel Leistung die mein Gerät zu bewältigen vermochte wurde nur noch von dem sagenhaft guten Gefühl übertrumpft diesen wunderschönen Fisch in den Händen halten zu dürfen.

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Aber damit nicht genug. Dieser kleine Poldergraben bot an diesem Tag wahre Schätze. Schon wenige Minuten nach meinem Erfolg konnte Nils ebenfalls einen schönen Esox von 61 cm landen. Auch ihm kam der Genuss dieses unbeschreiblichen Drills zu. Auf diesen wenigen Metern bebte das Wasser.

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Jeder Wurf schien ein weiterer guter Fisch sein zu können. Die Anspannung in unseren Gesichtern, gemischt mit der Freude dieses Tages schien sogar das schlechte regnerische Wetter auszublenden. Die „Fisch“ Rufe von Ingo ließen nicht lange auf sich warten. Und siehe da: Auch er hatte einen starken Esox im Drill. Hochleistung für seine feine Rute. Mit vereinten Kräften wurde auch dieser 70 cm starke Lucius an Land gebracht. Dieser Tag mutierte zu einer Sternstunde für uns Alle.

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Ein solcher Fisch an der Barschrute ist ein Vergnügen. Ein Erlebnis jedoch an der Ultraleicht!

So feines angeln auf solch kampfstarke Fische? Das klingt vorerst einmal sehr Skepsisreich. Die Frage ob dem Fisch unnötiger Stress zugefügt wird steht zudem im Raum.

Nein, ich kann diese Überlegungen entkräften. Das Vertrauen in dieses Gerät hat mich seit diesen Stunden vollkommen überrollt. Man sollte Zutrauen in seine Fähigkeiten investieren, den Reiz des tadellosen Drills genießen und seinem Köder vertrauen. Man sieht: das Klischee vom Vergleich a la: „Große Köder große Fische“ ist völlig überholt. Alle unsere starken Friesenhechte fielen auf klitzekleine Spinner herein.

Mich hat dieser Tag absolut überzeugt. Kein Gummifisch auf dieser Welt kann mir diesen Reiz ersetzen.

Eine Passion ist neu geboren. Probiert es aus!

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