Barsch Forelle Spinnfischen Ultraleicht

STREET FISHING | Taktik – Tackle & Tipps

Street Fishing

Beitrag zum Street Fishing von Tom Grobecker

Es ist eng, unzugänglich und außerdem noch laut: Das Getöse vorbeifahrender Busse, Züge und Autos mischt sich mit dem Lärm der Menschen. Wir sind nicht in der unberührten Natur, sondern zwischen Kino, Landgericht und Imbissbuden. Dreck so weit das Auge reicht, aber dennoch übt das Angeln hier seinen unbeschreiblichen Reiz aus: Die Rede ist vom Street Fishing an der Wupper.

 

Traum zwischen Beton

Mein Fluss ist zumeist mit Mauern umgeben, die wir nur mit den vorhandenen Leitern überwinden können. Aber einmal unten angekommen, liegt eine geniale Kulisse vor uns. Etliche markante Stellen warten darauf, Kunstköder zu sehen. Abschnitte ohne spannende Strukturen gibt es nicht. Meine Perle schlängelt sich durch Wuppertal, Solingen sowie Leverkusen und ist an den von mir befischten Plätzen meist nur 20 bis 80 Zentimeter tief- mit Kies und Steinbrocken am Boden. Aber auch Geäst und Baumstümpfe zieren den Grund und sind Gift für unsere Köder. Genauso Fahrräder, Einkaufswagen und sonstiger Müll sind beim Street Fishing nichts ungewöhnliches. Sich vor dem Angeln einen Überblick zu verschaffen und gefährliche Stellen zu merken, schadet nicht.

Platzwahl bei Street Fishing

Viele kleinere Zuflüsse gibt es an der Wupper und diese sorgen für eine stetige Sauerstoffzufuhr – da geht oft was, besonders im Sommer! Spannend sind Änderungen in der Struktur und hier lohnt sich immer ein Versuch. Weitere Hotspots sind Plätze, an denen Passanten die Fische mit ihren Essensresten füttern. Gerade am Hauptbahnhof fliegt viel in den Fluss und deshalb sammeln sich dort häufig dicke Nasen, Barben, Forellen und Döbel.

Weniger ist mehr

Teilweise legen wir auf der Suche nach den Fischen enorme Strecken zurück. Deshalb gilt es, sich auf das nötigste zu beschränken. Etliche Softbait-Tüten und ein Pfund Blei sind fehl am Platz. Ein paar Köder unseres Vertrauens reichen völlig aus. Auch bei der restlichen Ausrüstung achten wir darauf, dass alles nicht so viel Stauraum einnimmt. Da passt der Spruch: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Besonders bei üppiger Vegetation sind wir froh darüber, nicht wie ein Lastesel bepackt zu sein.

Fehlbiss: Was nun?

In meinem Gewässer sind die Bewohner zu meiner Verwunderung nicht besonders scheu. Schatten und enorme Lautstärken machen den Flossenträgern wenig aus – vermutlich auch wegen dem immer gegenwärtigen Verkehr. Aber wenn ein schicker Fisch unseren Köder bei einer Attacke verfehlt, ist die Chance meistens vertan. Wer dennoch dieses Exemplar erwischen möchte, für den bieten sich verschiedene Möglichkeiten: Gab es den Biss beim Fischen mit der Strömung, macht es Sinn, es mal gegen die Fließrichtung zu probieren? Auch ein Köderwechsel kann helfen. Je häufiger unser Happen allerdings vor der Nase des Fisches vorbeihuscht, ohne eine Reaktion hervorzurufen, desto mehr nervt es diesen. Dann hilft es nur noch, den Platz ruhen zu lassen und erst später wiederzukommen.

Suchen und Fangen

Um mir einen Überblick über einen neuen Abschnitt zu verschaffen, starte ich mit relativ kleinen Waffen. Meine „Suchköder“ sind Gummifische um die fünf Zentimeter Länge. So sehe ich schnell, welche Arten vorkommen. Ob Barsch, Forelle, Äsche & Co – gute Ecken kristallisieren sich nach einiger Zeit heraus. Riesige Fische erwarte ich nicht mit den kleinen Happen, aber das ist auch nicht gewollt. Wenn ich aber weiß, wo sich die Burschen aufhalten, kommen größere Köder an meine Leine – mit bis zu zwölf Zentimetern Gesamtlänge. Zu meinen Lieblingen zählen Wurmimitate, die entweder kurz und dick sind oder lang und dünn. Empfehlen kann ich auch Jerk- und Twitchbaits, wobei ich stille Köder bevorzuge, also ohne Rasseln im Körperinneren. Immer einen Versuch wert sind Skirted Jigs mit Trailern in Form von Softbaits ohne viel Aktion. Außerdem zu erwähnen sind dünne, schlanke Gummifische, die ich aufgrund der geringen Wassertiefe an einem Drei-Gramm-Kopf anbiete. Die weichen Verführer entfalten ihre Stärken vor allem in der kalten Jahreszeit – vor und nach der Forellenschonzeit. Am liebsten fische ich den Easy Shiner von Keitech in vier Inch, was zehn Zentimeter sind.

Die Aktion unter Wasser ist einfach genial. Bei Hochwasser und brauner Brühe sind UV-Farben Gold wert und haben mir schon so manche Sternstunden beschert, während ,,normale” Köder versagten. Liegt der Fluss allerdings klar vor uns und die Sonne scheint, kann ich natürliche Muster empfehlen: zum Beispiel in den Farben Grün, Braun, Dunkelrot oder Blau. Auf der Suche nach neuen Ködern fiel mir der Gambit Method Shad von Illex in 2,8 Inch auf. Mit dem dezenten Spiel überlistete der Schlanke gleich eine gierige Nase, eine kapitale Äsche und noch eine tolle Forelle – was für ein Einstand. Zu guter Letzt möchte ich noch Topwater-Köder nennen, die eine sehr spanende Abwechslung in unsere Angelei bringen. Da in den Städten häufig ein hoher Fischereidruck herrscht, macht es Sinn, auch mal neue und abgedrehte Kreationen beim Street Fishing anzubieten.

Tackles für´s Street Fishing

Meine Ausrüstung besteht aus einer Rute mit einem Wurfgewicht von 12 bis 21 Gramm – entweder Baitcaster- oder Spinnrolle. An die geflochtene Hauptschnur in Signalfarbe binde ich ohne Wirbel das Vorfach, das 0,25-0,35 Millimeter misst. Aufgrund der spritzigen Forellendrills verwende ich Fluorocarbon, sondern normale monofile Schnur. Mehr Dehnung beim Fight mit den Rotgepunkteten ist ein deutlicher Pluspunkt. Den Köder befestige mit einem runden Einhänger der Größe 0 bis 2.

Die passende Ausrüstung zum Street Fishing, findest du zum Beispiel >hier< oder bei deinem Angelshop vor Ort.

Regen Hilft

Die von mir eingesetzten Methoden beim Street Fishing richten sich immer stark nach den Wetterverhältnissen. Bei frischen und bewölkten Bedingungen laufen oberflächennah angebotene Würmer bestens – besonders auf Bachforelle, aber auch auf Barsch und Döbel. Sonnenschein und warme Temperaturen: Jetzt dürfen gerne mal deftige Happen wie Jerkbaits oder Skirted Jigs an die heißen Ecken fliegen. Am liebsten mag ich es allerdings, wenn es regnet. Dann läuft es besonders gut. Wer nun den Köder mit der Strömung führt darf sich über viele Bisse freuen. Die auf die Wasseroberfläche prasselnden Tropfen sorgen dafür, dass wir Angler nahezu unsichtbar werden. Außerdem kommt durch die Fluten Nahrung ins Gewässer. Forellen und andere Vertreter verlieren jegliche Hemmungen und nun sind neben guten Stückzahlen auch Kapitale drin. Die passenden Köder kannst du dir auch jeden Monat als Set direkt nach Hause senden lassen und viel mit deiner MFB ausprobieren. Ich selbst empfehle die UltraleichtBox von MFB.

Kampfstarke Kracher

Zielfisch Nummer eins beim Street Fishing ist ganz klar die Bachforellen. Aber wir wollen natürlich auch die anderen Bewohner des Flusses an den Haken locken. Das ist manchmal bei der Übermacht der Fettflossenträger nicht einfach. Umso größer ist die Freude, wenn Döbel, Nase oder Barbe einsteigen. Gerade Barben üben einen starken Reiz auf mich aus – wegen des anmutigen Aussehens und der enormen Kampfkraft. Ihre Null-Bock-Einstellung gegenüber meinen angebotenen Ködern macht das Fangen jedoch zur wahren Herausforderung.

Meinen letzten Bartelträger fing ich an einem Kino, das direkt am Wasser liegt. Da hier oft Reste von Popcorn und nicht aufgegangenen Mais verfüttert werden, montierte ich einen Jigkopf in der Farbe Orange. Plötzlich sah ich am Ufer eine Barbe stehen: Ich führte meinen Gummi langsam hüpfend zu der gründelnden Diva und schon haute der Fisch meinen Verführer weg. Ein nervenaufreibender Drill mit schließlich erfolgreicher Landung folgte. Ihr seht schon: Streetfishing hat viel zu bieten. Skeptische Blicke sind garantiert wenn wir mit Kescher, Rute und Gummistiefeln durch die Fußgängerzone latschen, aber ich kann euch diese äußerst spannende Angelei nur empfehlen.

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